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Was 1.043 Rückmeldungen zu meinen KI-Fortbildungen über Schule zeigen

In den vergangenen 6 Monaten habe ich 40 Fortbildungen zum Thema Künstliche Intelligenz im Schulalltag durchgeführt: in Grundschulen, Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, berufsbildenden Schulen, bei Verbandsveranstaltungen und an einem Elternabend. Es ging um ChatGPT, Gemini, AIS.chat, NotebookLM und weitere Werkzeuge, vor allem aber um die Frage, wie Lehrkräfte KI zu ihrer Unterstützung pädagogisch, didaktisch und organisatorisch sinnvoll einsetzen können.

Die Rückmeldungen aus den Evaluationen geben einen aufschlussreichen Einblick in die aktuelle Lage an Schulen. Sie zeigen eine hohe Bereitschaft, sich auf Künstliche Intelligenz einzulassen. Zugleich machen sie deutlich, dass es nicht reicht, Kollegien möglichst viele Tools in möglichst kurzer Zeit vorzustellen. Entscheidend ist etwas anderes: Lehrkräfte brauchen Zeit, Orientierung, konkrete Unterrichtsbeispiele und eine fachlich verantwortete Einordnung.

Aus 1.043 Rückmeldungen ergab sich die durchschnittliche Bewertung bei 4,23 von 5 Punkten. 84,9 Prozent der Bewertungen lagen bei 4 oder 5 Punkten. Das ist zunächst erfreulich, aber die eigentliche Aussagekraft liegt nicht in der Zahl allein. Interessant wird es dort, wo die Teilnehmenden frei formulieren, was ihnen geholfen hat, was ihnen gefehlt hat und welche nächsten Schritte sie sich wünschen.


Hohe Zustimmung – aber keine naive Begeisterung

Die Rückmeldungen zeigen eine sehr hohe Grundakzeptanz. Viele Teilnehmende beschrieben die Fortbildungen als informativ, praxisnah, hilfreich, verständlich und motivierend. Besonders häufig genannt wurden konkrete Beispiele, sofort nutzbare Prompts, der Überblick über verschiedene KI-Werkzeuge und die Möglichkeit, selbst erste Erfahrungen zu sammeln.

Ein Feedback bringt diese Mischung gut auf den Punkt:

„Anwendungsorientiert, mit genug kritischen Anmerkungen und Beispielen, wie KI erfolgreich oder auch unzureichend eingesetzt werden kann.“

Diese Formulierung ist für mich deshalb aufschlussreich, weil sie genau das beschreibt, worum es in guten KI-Fortbildungen gehen sollte. Es geht nicht um Begeisterung ohne Maßstab. Es geht auch nicht um Abwehr aus Unsicherheit. Es geht um einen sachkundigen, ausprobierenden und zugleich kritischen Umgang mit Werkzeugen, die Schule längst erreicht haben.

Viele Kolleginnen und Kollegen wollen KI nicht abstrakt diskutieren. Sie wollen wissen, was sie am Montagmorgen im Unterricht, bei der Vorbereitung, bei der Materialerstellung oder bei der Differenzierung tatsächlich damit anfangen können. Gleichzeitig möchten sie verstehen, wo Grenzen liegen, welche Fragen des Datenschutzes zu beachten sind, wie Schülerinnen und Schüler KI sinnvoll nutzen können und welche Aufgaben Schule in einer zunehmend KI-geprägten Informationswelt übernehmen muss.


Die zentrale Frage lautet nicht: Welches Tool ist das beste?

In fast allen Fortbildungen spielte die Tool-Ebene eine wichtige Rolle. ChatGPT, Gemini, AIS.chat und NotebookLM wurden ausprobiert, verglichen und auf ihren Nutzen im Schulalltag hin befragt. Trotzdem zeigen die Evaluationen: Die entscheidende Frage lautet nicht, welches Tool gerade am leistungsfähigsten ist. Die entscheidende Frage lautet: Wie wird aus einem technischen Werkzeug ein pädagogisch verantworteter Arbeitsprozess?

Ein KI-Tool kann eine Unterrichtsidee strukturieren, Materialvarianten erstellen, Texte vereinfachen, Aufgaben differenzieren, Bilder, Präsentationen, Erklärvideos erstellen, Feedback vorbereiten oder Impulse für eine Unterrichtsreihe liefern. Aber ob daraus guter Unterricht entsteht, entscheidet nicht das Tool. Es entscheidet die Lehrkraft: mit ihrer Fachlichkeit, ihrer Lerngruppenkenntnis, ihrem didaktischen Urteil und ihrer Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen. Und selbstverständlich mit ihrem (Vertrauens-)verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern.

Genau an dieser Stelle entsteht der eigentliche Fortbildungsbedarf. Kollegien brauchen eine Verbindung aus Erklärung, Ausprobieren, Reflexion und Transfer in den eigenen Unterricht.


Das stärkste wiederkehrende Signal: noch mehr Zeit zum Ausprobieren

So positiv das Bewertungsbild insgesamt ist, so klar ist auch der häufigste Wunsch: noch mehr Zeit.

Mehr Zeit zum Ausprobieren.Mehr Zeit für konkrete Anwendungen.Mehr Zeit für fachspezifische Beispiele.Mehr Zeit, um Prompts zu verändern, Ergebnisse zu prüfen und aus ersten Versuchen tragfähige Routinen zu entwickeln.

Ein Feedback formuliert es sehr direkt:

„Ich hätte mir noch mehr Zeit für Praxis gewünscht und etwas weniger geballte Infos.“

Ein anderes beschreibt den Wert angeleiteter Erprobung:

„Endlich mal Zeit zum Ausprobieren mit einem kompetenten Ansprechpartner an der Seite.“

Diese Rückmeldungen sind für mich besonders wichtig, weil sie zeigen, dass Fortbildungen zu KI anders geplant werden müssen als reine Informationsveranstaltungen. Natürlich braucht es einen fachlichen Rahmen: Was ist ein Sprachmodell? Was kann es? Was kann es nicht? Welche datenschutzrechtlichen und ethischen Fragen stellen sich? Aber sobald diese Grundlagen gelegt sind, muss der Schwerpunkt auf Anwendung, Reflexion und Transfer liegen.


Einsteiger und Fortgeschrittene brauchen unterschiedliche Lernräume

In den Rückmeldungen zeigt sich ein weiteres Muster: Die Vorkenntnisse in Kollegien sind sehr unterschiedlich. Manche Lehrkräfte nutzen KI bereits regelmäßig zur Unterrichtsvorbereitung, andere stehen am Anfang und möchten zunächst verstehen, was ein Prompt ist, wie man ein Werkzeug bedient und welche schulischen Regeln gelten.

Daraus ergibt sich eine wichtige Konsequenz für Fortbildungsplanung. Ein Kollegium ist selten eine homogene Lerngruppe. Wer KI-Fortbildungen plant, muss deshalb stärker differenzieren: Einsteiger brauchen Sicherheit, Orientierung und kleinschrittige Erprobung. Fortgeschrittene wünschen sich vertiefende Anwendungsszenarien, komplexere Prompts, Unterrichtskonzepte, Workflow-Ideen und kritisches Feedback zu ihren bisherigen Erfahrungen.

Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, Gruppen nach Erfahrungsstand zu bilden oder Aufbauformate anzubieten. Das ist gut nachvollziehbar. Denn KI-Kompetenz entsteht nicht in einer einzelnen Veranstaltung. Sie entwickelt sich in Stufen: erstes Verstehen, erstes Ausprobieren, regelmäßige Nutzung, kritische Prüfung, didaktische Integration und schließlich schulische bzw. fachliche Evaluation und Abstimmung.


KI wird dort interessant, wo sie konkrete schulische Arbeit verändert

Besonders positiv wurden jene Teile der Fortbildungen wahrgenommen, in denen KI nicht abstrakt erklärt, sondern an schulischen Aufgaben erprobt wurde. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Unterrichtsideen entwickeln

  • Materialien differenzieren

  • Texte vereinfachen oder sprachlich anpassen

  • Aufgabenformate erstellen

  • Erwartungshorizonte vorbereiten

  • Feedbackformulierungen entwickeln

  • Unterrichtsreihen strukturieren

  • Elterninformationen oder schulische Kommunikation vorbereiten

  • Lernprozesse reflektieren

  • Materialien mit Tools wie NotebookLM erstellen

Viele Rückmeldungen deuten darauf hin, dass KI vor allem dort als hilfreich erlebt wird, wo sie Arbeitsprozesse nicht ersetzt, sondern unterstützt. Lehrkräfte wollen keine pädagogische Verantwortung abgeben. Sie suchen Entlastung bei zeitintensiven Vorarbeiten, Ideenfindung, Strukturierung und Differenzierung.

Das ist ein entscheidender Punkt. Die Diskussion über KI in Schule wird häufig sehr grundsätzlich geführt: Wird KI Unterricht verändern? Dürfen Schülerinnen und Schüler KI nutzen? Wie verhindern wir Täuschung? Welche Kompetenzen werden wichtiger?

Diese Fragen sind berechtigt. In den Kollegien zeigt sich aber zusätzlich eine sehr praktische Ebene: Wie kann ich morgen eine Aufgabe angesichts meiner heterogenen Lerngruppe zielgruppenadäquat differenzieren? Wie kann ich individuelles Feedback mit Hilfe von KI ermöglichen? Wie kann ich ein Tool nutzen, ohne seine Ergebnisse ungeprüft zu übernehmen?


Zwischen Entlastung und Verantwortung

Ein wiederkehrendes Motiv in den Rückmeldungen ist Entlastung. KI wird als Möglichkeit wahrgenommen, bestimmte Arbeitsprozesse schneller, strukturierter oder kreativer anzugehen. Gleichzeitig zeigen viele Kommentare, dass Lehrkräfte sehr genau spüren: Entlastung darf nicht mit Automatisierung pädagogischer Verantwortung verwechselt werden.

Gerade deshalb braucht es Fortbildungen, die nicht nur zeigen, was technisch möglich ist, sondern auch, wie Ergebnisse geprüft werden können. KI produziert Vorschläge, keine pädagogischen Entscheidungen. Sie kann Varianten liefern, aber sie kennt die Lerngruppe nicht. Sie kann Formulierungen anbieten, aber sie trägt keine Verantwortung für fachliche Angemessenheit, Fairness, Datenschutz oder didaktische Passung.

Aus meiner Sicht liegt darin eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre: Lehrkräfte müssen nicht nur lernen, KI zu bedienen. Sie müssen lernen, KI-Ergebnisse professionell zu beurteilen und ihren Schülerinnen und Schülern KI-Skills zu vermitteln. Das ist keine zusätzliche Nebensache, sondern ein neuer Bestandteil digitaler Professionalität.


Was Schulen jetzt brauchen

Aus den Evaluationen ergeben sich für mich mehrere Konsequenzen für schulische Fortbildung und Schulentwicklung.

Erstens brauchen Schulen niedrigschwellige Einstiege. Viele Kolleginnen und Kollegen benötigen zunächst die Gelegenheit, ohne Druck auszuprobieren, Fragen zu stellen und eigene Unsicherheiten zu formulieren.

Zweitens brauchen Schulen vertiefende Formate. Wer die ersten Schritte gegangen ist, möchte nicht bei Tool-Demonstrationen stehen bleiben, sondern konkrete Unterrichtsszenarien entwickeln.

Drittens brauchen Schulen gemeinsame Absprachen. KI betrifft nicht nur einzelne Lehrkräfte, sondern Aufgabenformate, Leistungsbewertung, Hausaufgaben, Datenschutz, Medienkonzepte, Elternkommunikation und die Entwicklung schulinterner Leitlinien.

Viertens brauchen Schulen eine realistische Sichtweise. Weder euphorische Versprechen noch pauschale Warnungen helfen weiter. Hilfreich ist eine Haltung, die Möglichkeiten erkennt, Grenzen benennt und pädagogische Verantwortung ins Zentrum stellt.


Fazit: KI-Fortbildung ist Schulentwicklung

Die Rückmeldungen aus den vergangenen 6 Monaten zeigen: Künstliche Intelligenz ist in den Kollegien angekommen, aber nicht als fertige Antwort. Sie kommt als Bündel neuer Fragen, neuer Möglichkeiten und neuer Unsicherheiten.

Die hohe Zustimmung in den Evaluationen freut mich sehr. Wichtiger sind mir jedoch der kollegiale Austausch sowie die Qualität der Fragen, die in den Fortbildungen entstanden sind. Denn sie zeigen, dass Schulen KI nicht einfach übernehmen wollen. Sie wollen verstehen, prüfen, gestalten und verantwortlich einsetzen.

Für mich ist deshalb klar: KI-Fortbildung ist nicht nur Tool-Schulung. Sie ist ein Baustein schulischer Transformation. Sie verbindet Unterrichtsentwicklung, Medienbildung, Kollegiumsarbeit, Datenschutz, pädagogische Haltung und die Frage, wie Lernen unter veränderten Bedingungen sinnvoll gestaltet werden kann.

Wer sich als Schule auf diesen Weg macht, braucht Zeit, Struktur, Erprobung, kritische Reflexion und den Mut, gemeinsam zu lernen.

Wenn Sie für Ihr Kollegium, Ihre Schule oder Ihre Fortbildungsgruppe ein praxisnahes Format zum Thema KI im Schulalltag planen, informieren Sie sich gerne über mögliche Workshops, Pädagogische Tage und Anschlussformate auf dieser Webseite!

 
 
 

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